LOGO Brücke SH
STARTSEITE / NACHRICHTEN
17.03.2017
Pressespiegel - Erfolgreich bis auf den Arbeitsmarkt Das Modellprojekt Übergang Schule und Beruf läuft weitere drei Jahre – und es hat schon einige Früchte getragen.
Norddeutsche Rundschau, 02.03.2017, Ilke Rosenburg

Ursprünglich war es bis 2016 befristet - das Modellprojekt Übergang Schule und Beruf (ÜSB). Im Sommer vergangenen Jahres kam dann die erlösende Nachricht: „Wir haben uns sehr gefreut, dass das Projekt für weitere drei Jahre bis 2019 verlängert wurde“, sagte Susanne Kriener vom regionalen Integrationsfachdienst der Brücke Schleswig-Holstein zum Auftakt der 5. Regionalkonferenz zur erweiterten, vertieften Berufsorientierung für Schüler mit Behinderung im Kreis Steinburg. „Unbefristet wäre schön“, fügte Kriener hinzu, die das Projektziel unterstrich: Keiner der Schüler soll von der Schule abgehen, ohne zu wissen, was danach kommt. Kriener: „Das ist unser großer Auftrag. “
Wie sich das Projekt im Kreis Steinburg entwickelt hat, war zentrales Thema der Konferenz im Regionalen Berufsbildungszentrum (RBZ) Steinburg, zu der Landrat Torsten Wendt die Teilnehmer willkommen hieß und einen intensiven Austausch wünschte. Die Veranstaltung habe „einen ernsten, aber auch sehr guten Hintergrund“, so Wendt, der auf erste Erfolge für Jugendliche, die das Projekt „ÜSB“ durchliefen, hinwies. Dass die Integration von Menschen mit Behinderung auf dem Weg aus der Schule in die Berufswelt gut gelingen kann, zeigten junge Menschen im Kreis beispielhaft, so der Landrat. Am RBZ beispielsweise sei ein junger Mann heute im Hausmeisterteam tätig. Gerade im Hinblick auf den demografischen Wandel und künftigen Arbeitskräftemangel böten sich Chancen. „Natürlich sind die Möglichkeiten eingegrenzt, aber unmöglich ist hier nichts“, betonte Wendt. Man müsse sich aber „ordentlich Mühe geben - auf beiden Seiten“, fügte er hinzu. Dabei merkte er an, dass Menschenwürde auch Teilhabe am Arbeitsmarkt bedeute. Es müssten mehr Arbeitgeber überzeugt werden. „Es ist Neuland, aber Neuland kann man mitgestalten.“ Auf diese Bereitschaft hofft der Landrat mit Blick auf das Ziel, Menschen mit Beeinträchtigung in Lohn und Brot zu bringen.
Und um diesen Einstieg in die Erwerbsfähigkeit erfolgreich zu gestalten, bietet das Modellprojekt Übergang Schule und Beruf den jungen Menschen Lernperspektiven. Aufgeteilt in drei Module, werden Möglichkeiten geboten, sich mit den unterschiedlichen Wegen ins Berufsleben und den eigenen Kompetenzen auseinanderzusetzen - bis zu drei Jahre lang, begleitet vom Integrationsfachdienst Brücke Schleswig-Holstein. Dabei stehen Praktika und Mobilitätstraining im Mittelpunkt. „Ohne Praktika wäre es gar nicht möglich, dass beide Seiten zusammenkommen“, betonte Susanne Kriener. In Modul 3 gelangt, wer schon „sehr konkrete Schritte gehen kann“, um nach einem Jahr auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt auch Fuß fassen zu können. Weitergehen kann es dann in den Werkstätten für behinderte Menschen, in berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen über die Agentur für Arbeit, unterstützter Beschäftigung (Agentur für Arbeit), Ausbildung und Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt.

Wie das funktioniert, wollte Susanne Kriener im Interview mit ehemaligen Schülern und ihren Arbeitgebern verdeutlichen. Das war krankheitsbedingt jedoch nicht im geplanten Umfang möglich. Aber auch so erlebten die Besucher das eindrucksvolle Beispiel eines gelungenen Übergang: Der 18-jährige Nico Ehlers erzählte, wie er seinen Arbeitgeber kennen gelernt und seinen Beruf gefunden hat. Vor drei Jahren fing er im Modul an. Sein Hobby Kochen und Backen brachte ihn in sein erstes Praktikum in der Küche eines Altersheims in Glückstadt. „Aber das war nicht mein Ding“, stellte er dabei fest. Sein Lehrer brachte ihn dann auf die Idee, ein Praktikum bei der IT-Firma zu absolvieren, die auch die Steinburgschule betreut: Benjamin Ehlers IT in Itzehoe. Sein Faible für die Arbeit mit dem Computer könne ihm da zugute kommen. Nico Ehlers (nicht verwandt mit dem Firmeninhaber) bewies dabei sein Geschick, nach und nach wurden ihm immer mehr Aufgaben zugeteilt. Heute geht er in der Firma einer unterstützten Beschäftigung nach, betreut das komplette Lager - und repariert auch mal Laptops, PCs und Drucker. „Eine gute Sache?“, fragte Susanne Kriener. „Ja, das ist eigentlich für mich perfekt“, antwortete Nico Ehlers begeistert.
Welche Bedeutung ein selbstbestimmtes Arbeiten für Menschen mit Behinderung hat, das machte Jörg Adler vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Schleswig-Holstein in seinem anschließenden Vortrag deutlich. Damit endete die fünfte Regionalkonferenz, bei der die Anwesenden leider ebenfalls krankheitsbedingt auf das musikalische Rahmenprogramm verzichten mussten, wie Veranstaltungskoordinator Rainer Albath bedauernd mitteilte.

Autor: Ilke Rosenburg

Copyright © 2016 Brücke SH - Alle Rechte vorbehalten. bruecke-sh.de
CSS ist valide!