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Pressepiegel: Niedrigschwellig und wohnortnah
Die Arbeit des Psychosozialen Zentrums für traumatisierte Flüchtlinge in Kiel

Eppendorfer, 05/2017, Seite 5, Heckmann, www.eppendorfer.de

KIEL (heck). Ein breites Hilfsangebot, das niedrigschwellig und unkompliziert in unmittelbarer Wohnortnähe erreichbar ist, das hilft bei der Integration von traumatisierten Flüchtlingen, ist Krystyna Michalski, Referentin des Paritätischen SH, überzeugt. Und diese Hilfen sollten möglichst früh zur Verfügung stehen, da dies nicht nur Kosten spart, sondern auch Folgeerkrankungen wie Chronifizierung oder Medikamentenmissbrauch und Abhängigkeit verhindern kann, ergänzt Sozialpädagogin Tabea von Riegen von der Brücke SH. Beide gehören zum Team des Psychosozialen Zentrums für traumatisierte Flüchtlinge Schleswig-Holstein mit Sitz in Kiel. Der Ansatz ihrer 2016 gestarteten Arbeit ist, landesweit ein breites Netzwerk mit Kliniken (beispielsweise dem ZIP in Kiel oder dem UKSH in Lübeck), mit Trägern von Unterstützungsangeboten, Kommunen, Einrichtungen der Jugendhilfe, Kitas, Schulen, Flüchtlingsunterkünften, niedergelassenen Therapeuten und auch Ehrenamtlichen zu knüpfen. Es dient dazu, die psychosoziale, psychotherapeutische und psychiatrische Versorgung von traumatisierten Flüchtlingen und Asylsuchenden sicherzustellen und zu verbessern. Wendi Reinhardt, Traumatherapeutin: „Das Risiko, an einer Posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken, liegt bei Menschen, die Krieg, Vertreibung, Folter erlebt haben, bei rund 40 Prozent. Aber nicht alle brauchen eine psychotherapeutische oder psychiatrische Behandlung. Wesentlich ist aber der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung. Auch kann es aufgrund von Sprachproblemen und interkulturellen Missverständnissen zu Fehldiagnosen kommen. Daher ist eine rasche und umfassende psychotherapeutische Versorgung, kombiniert mit psychosozialer Arbeit, notwendig“. Fünf Landkreise in Schleswig-Holstein und die Stadt Lübeck machen bereits mit, „weiße Flecke“ in der Versorgung sind Nordfriesland oder Dithmarschen, erklärt Sozialpädagogin Christiane Abromeit. Hilfen vor Ort werden koordiniert, Fortbildungen und Supervisionen angeboten, Qualitätsstandards und Handlungsrichtlinien entwickelt. „Unser Ansatz ist, möglichst die niedergelassenen Psychotherapeuten und Psychiater vor Ort für die Therapien zu gewinnen. In besonderen Fällen (etwa wenn der Bedarf groß ist und wir keinen Therapeuten so kurzfristig finden können) bieten wir auch selbst therapeutische Hilfen durch eigene Honorartherapeuten oder unsere Traumatherapeutin an“. Die Erfahrung von Tabea von Riegen: „Die Haltung in den jeweiligen Kreisen ist unterschiedlich“. Einige seien an frühen Hilfen interessiert, bei anderen müsse noch Überzeugungsarbeit geleistet werden. Die Arbeit direkt am Klienten hat die Brücke SH übernommen, die Vernetzungsarbeit und Koordination liegt in den Händen des Paritätischen, wie Krystina Michalski erläutert. Viel Fachwissen kann das multiprofessionelle Team aus der Arbeit von Refugio ziehen, einem Hilfsangebot für Flüchtlinge, was bereits vor rund zwanzig Jahren gegründet wurde und dessen Arbeit nach Auflösung des Vereins 2011 beim Paritätischen angesiedelt wurde. Die jetzige Arbeit ist sowohl mit Landes- und Bundesmitteln, als auch EU-Projektgeldern finanziert. 2016 wurden 260 Schutzbedürftige beraten, davon sind 156 psychotherapeutisch behandelt worden. Der Hauptanteil der Klienten kam aus Afghanistan (86), der Russischen Föderation (46) und Armenien (37). Landesweit waren acht Psychotherapeuten auf Honorarbasis tätig. Großen Bedarf, so Michalski, gibt es an qualifizierten Dolmetschern sowie zusätzlichen Psychotherapeuten - und an Geld, um diese zu finanzieren. Daher gehöre gezielte Akquise und Netzwerkarbeit sowie Fortbildung ebenso zu der Arbeit des Zentrums, unterstreicht Krystyna Michalski.

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