LOGO Brücke SH
STARTSEITE / NACHRICHTEN
27.11.2020
Forschungskooperation zu Netzwerkarbeit und Netzwerkinterventionen
Die Brücke Schleswig-Holstein sieht in der Netzwerkarbeit einen vielversprechenden Ansatz, Sozialraumorientierung, Teilhabe und Selbstbefähigung zu fördern und Auswege aus der „Fürsorge-Falle“ Sozialer Arbeit zu entwickeln. Unsere Mitarbeiterin Kirsten Modrow verfügt als Master of Arts der Sozialen Arbeit über ein ausgewiesenes Fachwissen zu diesem Thema. Sie wurde von der Geschäftsführung damit beauftragt, für die Brücke SH mit der Fachhochschule Kiel, Fachbereich Soziale Arbeit und der Fachhochschule St. Pölten, Department Soziales in Österreich eine Forschungskooperation aufzubauen.
Dieses Forschungsprojekt läuft nunmehr seit einem Jahr und wir hatten Anfang dieses Jahres über die Auftaktveranstaltung im Oktober 2019 berichtet. Ziel der Forschungskooperation ist, mit Hilfe von Netzwerkkarten und Interviews Erkenntnisse über Veränderungen in den persönlichen Netzwerken von Nutzern und Nutzerinnen unserer Angebote innerhalb eines Betreuungszeitraumes von ca. 12 Monaten zu gewinnen.
Anders als ursprünglich geplant, war ein persönliches Zusammenkommen der Projektbeteiligten in diesem Jahr nicht möglich. Trotz der Corona-Krise konnten aber ausreichend Interviews sowohl mit Nutzern und Nutzerinnen als auch mit ehemaligen Betroffenen und mit Beschäftigten der Brücke SH geführt werden. Die Interviews haben zum Teil im persönlichen Kontakt unter Berücksichtigung der corona-bedingten Hygienevorschriften oder mit Hilfe von Videokonferenzen stattgefunden. Zur Absicherung erster Ergebnisse wurden außerdem Fragebögen eingesetzt, so dass inzwischen ausreichend Datenmaterial für eine detaillierte Auswertung vorliegt.
Im September sind die ersten Zwischenergebnisse im Rahmen einer Videokonferenz vorgestellt worden, zu der alle Projektbeteiligten sowie Mitarbeitende aus den Teams in Heide und in Kiel eingeladen waren. Im Anschluss an die Ergebnispräsentation hat sich eine lebendige Diskussion entwickelt. Mitarbeitende der Brücke SH haben über Erfahrungen bei der Durchführung der Interviews berichtet und die ersten Ergebnisse in Beziehung zu ihrer Arbeit in der Praxis gesetzt, sie bestätigt oder auch um weitere Perspektiven ergänzt.

Folgende Fragen sind hierbei von Interesse:
• Gibt es Netzwerkveränderungen und wie beschreiben die Nutzer und Nutzerinnen diese?
• Haben sich die Netzwerkgröße und/oder die Qualitäten der Beziehungen verändert?
• Wie sieht es mit Teilhabemöglichkeiten aus, konnten sie z.B. durch Netzwerkinterventionen verbessert werden?
• Was für eine Bedeutung besitzen Haustiere in den Netzwerken von Nutzer und Nutzerinnen?
• Wie beschreiben Nutzer und Nutzerinnen freundschaftliche und kollegiale Beziehungen?

Gerade unter der Prämisse, Recovery-Prozesse zu unterstützen und Empowerment zu fördern, ist der gemeinsame Blick auf die persönlichen Netzwerke der Nutzer und Nutzerinnen in der Praxis unverzichtbar und integraler Bestandteil sozialpädagogischen Handelns in der Brücke SH. Mit Recovery ist der unabhängig von normativ gesetzten Krankheitsbegriffen persönliche Genesungsweg gemeint, in dem die Fähigkeit, den Alltag selbstständig bewältigen zu können, teilweise oder vollständig wiedererlangt wird, ganz im Sinne des Konzeptes Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Nutzung einer Netzwerkkarte hat sich als Instrument zur Förderung von Selbsthilfe-Prozessen außerdem als Reflexionsmöglichkeit bewährt, eine Re-Sozialisierung von professionellen Hilfeangeboten ganz im Sinne einer Sozialraumorientierung nach Wolfgang Hinte in den Blick zu nehmen: Das Ende der Hilfe wird von Anfang an mitgedacht, Betroffene werden darin unterstützt, nicht-professionelle Angeboten im Sozialraum zu nutzen und tragfähige Beziehungen aufzubauen, die als Ressourcen unterstützend zur Verfügung stehen können.

Das Projekt endet im Herbst 2021, die Studierenden der Fachhochschule in St. Pölten sind mit weiteren Auswertungen beschäftigt und es sind noch einige Interviews und eine Gruppendiskussion mit Nutzern und Nutzerinnen der Brücke SH zu Netzwerkveränderungen geplant. Anfang Juni 2021 wird es eine Abschlussveranstaltung mit allen Projektbeteiligten in Kiel geben, an der die endgültigen Ergebnisse vorgestellt werden.
Wir werden über den weiteren Verlauf berichten.

Projektpartner:
Fachhochschule St. Pölten (A), Department Soziales Wissenschaftliche Projektleitung: Karin Goger M.A., Patricia Renner M.A.
Fachhochschule Kiel, Fachbereich Soziale Arbeit: Prof. Joseph Richter-Mackenstein

Brücke SH: Projektleitung/Projektkooperation: Kirsten Modrow M.A.
Kontakt: k.modrow@bruecke-sh.de.
Bei Fragen oder dem Wunsch nach weiteren Informationen schicken Sie gerne eine E-mail.

Copyright © 2019 Brücke SH - Alle Rechte vorbehalten. bruecke-sh.de
CSS ist valide!